Die 10 Inseln der Kapverden: Welche passt zu Ihnen?

Santo Antao
Die 10 Inseln der Kapverden: Welches Eiland passt zu welchem Urlaubstyp?
Wüstenstrände oder Wanderwege, Vulkan oder Musikstadt: Was die zehn Inseln unterscheidet und welche zu Ihnen passt.
Praia (Santiago) – Wer "Kapverden" sagt, meint meist Sal. Dabei ist Sal von den zehn Inseln ausgerechnet die flachste und trockenste. Nur 150 Kilometer weiter westlich wachsen Zuckerrohr und Kaffee in tiefen Schluchten. Wieder ein Stück weiter raucht ein Vulkan, in dessen Krater Menschen wohnen und Wein keltern. Zehn Inseln, ein Land, und kaum zwei davon gleichen sich.
Ein Archipel, zwei Windrichtungen
Die Kapverden liegen im Atlantik, rund 570 bis 850 Kilometer vor der Küste Senegals. Zehn Hauptinseln gehören dazu, neun davon bewohnt.
Die Portugiesen teilten sie nach dem Wind ein, und diese Einteilung prägt bis heute jede Landkarte. Im Norden liegt Barlavento, die Inseln über dem Wind. Im Süden liegt Sotavento, die Inseln unter dem Wind.
Die Begriffe sind keine Folklore. Der Nordost-Passat trifft die Barlavento-Gruppe mit voller Kraft. Genau deshalb steht dort Kitesurfen im Mittelpunkt, während der Süden windgeschützter bleibt.

Barlavento: die Inseln über dem Wind
Santo Antão: das Wanderparadies
Keine Insel der Kapverden ist grüner. Santo Antão ist ein Gebirge, das aus dem Meer ragt, zerfurcht von Schluchten, in denen Zuckerrohr, Bananen und Kaffee wachsen.
Das Paúl-Tal ist der bekannteste dieser Einschnitte. Ein schmaler Pfad führt vom Kraterrand hinunter bis ans Meer, vorbei an Terrassenfeldern und winzigen Dörfern. Wer nur einen Wandertag auf den Kapverden hat, sollte ihn hier verbringen.
Der höchste Punkt ist der Tope de Coroa mit 1.979 Metern. Steile Klippen fallen an der Nordküste fast senkrecht ins Wasser.
Einen Flughafen gibt es nicht mehr. Santo Antão erreichen Sie ausschließlich per Fähre von São Vicente, in weniger als einer Stunde.
Passt zu: Wanderern, Naturfotografen und allen, denen Strandliegen nach drei Tagen zu langweilig werden.
São Vicente: das kulturelle Herz
São Vicente selbst ist karg und trocken. Sein Reichtum liegt in einer Stadt: Mindelo.
Die Hafenstadt gilt als kulturelle Hauptstadt der Kapverden. Hier wuchs die Morna zu dem, was sie heute ist, und von hier stammt Cesária Évora, die "barfüßige Diva", die den kapverdischen Gesang in die Welt trug.
Der Karneval von Mindelo ist der größte des Landes und wird oft mit dem brasilianischen verglichen. In den Bars der Altstadt wird abends gespielt, ohne Bühne und ohne Eintritt.
Über der Stadt erhebt sich der Monte Verde mit 750 Metern. Von oben sehen Sie an klaren Tagen bis hinüber nach Santo Antão.
Passt zu: Musikliebhabern, Städtereisenden und allen, die kapverdische Kultur nicht im Hotelprogramm suchen.
Santa Luzia: die unbewohnte Insel
Santa Luzia ist die einzige der zehn Inseln ohne ständige Bewohner. Früher lebten hier Hirten, heute steht sie als Naturreservat unter Schutz.
Übernachten können Sie nicht. Fischer und Tauchboote von São Vicente aus fahren die Insel und die vorgelagerten Felsinseln an. Die Gewässer gelten als artenreich und weitgehend unberührt.
Passt zu: Tauchern und Tagesausflüglern, die von São Vicente aus einen Blick auf unberührte Natur werfen wollen.
São Nicolau: das stille Juwel
São Nicolau ist Santo Antão im Kleinen, nur ohne die Besucher. Steile Hänge, fruchtbare Täler und ein Zentralmassiv um den Monte Gordo prägen die Insel.
Hier steht der Drachenbaum, das botanische Wahrzeichen der Kapverden. Der Naturpark rund um den Monte Gordo schützt Arten, die sonst nirgends vorkommen.
Tourismus findet praktisch nicht statt. Wer Ruhe sucht und sich mit einfacher Infrastruktur arrangiert, findet hier die ursprünglichsten Bergdörfer des Landes.
Passt zu: erfahrenen Reisenden, Wanderern abseits der Wege und Menschen, die Abgeschiedenheit als Luxus begreifen.
Sal: das Zentrum des Strandurlaubs
Sal ist flach, trocken und vulkanisch, eine Insel aus Sandebenen und Salzfeldern. Und genau deshalb das meistbesuchte Ziel der Kapverden.
Die Hauptrolle spielt Santa Maria im Süden mit seinem langen weißen Strand und dem türkisfarbenen, ruhigen Wasser. Die Resorts liegen fast alle hier.
Dazu kommen die Salinen von Pedra de Lume, wo Sie im Krater eines erloschenen Vulkans im Salzwasser treiben wie im Toten Meer. Jahrhundertelang war dieses Salz der einzige Grund, warum überhaupt jemand auf Sal lebte.
Für Wassersportler ist die Insel eine Adresse ersten Ranges. Zwischen November und April bläst der Passat verlässlich mit 15 bis über 25 Knoten, und Kitesurfer aus ganz Europa reisen dafür an. Auch Tauchen und Schnorcheln funktionieren gut, mit Wracks und Vulkanhöhlen vor der Küste.
Passt zu: Strandurlaubern, Familien, Erstbesuchern und Kitesurfern.
Boa Vista: Wüste trifft Strand
Boa Vista trägt die längsten Strände der Kapverden. Die Praia de Santa Mónica zieht sich über mehr als 20 Kilometer, oft ohne einen einzigen Menschen darauf.
Im Inselinneren liegt der Deserto de Viana, eine Miniaturwüste aus Wanderdünen, entstanden aus Saharasand, den der Passat über den Atlantik trägt.
Die Praia de Chaves ist der zweite große Strand, näher an den Hotels. Und zwischen März und Mai ziehen Buckelwale vor der Küste vorbei. Im Sommer kommen Unechte Karettschildkröten zur Eiablage an Land, in einer der bedeutendsten Nistregionen des Atlantiks.
Passt zu: Ruhesuchenden mit Strandwunsch, Naturbeobachtern und allen, denen Sal schon zu belebt ist.
Sotavento: die Inseln unter dem Wind
Santiago: die vielseitige Hauptinsel
Santiago ist die größte Insel und die bevölkerungsreichste. Hier leben rund die Hälfte aller Kapverdianer, und hier liegt die Hauptstadt Praia.
Die Insel ist der historische Kern des Landes. In Cidade Velha, dem früheren Ribeira Grande, gründeten die Portugiesen 1462 die erste europäische Stadt in den Tropen. Sie wurde zur Drehscheibe des atlantischen Sklavenhandels. Seit 2009 gehört der Ort zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Landschaftlich bietet Santiago mehr, als die meisten erwarten. Das Gebirge der Serra Malagueta ist Naturpark, im Norden liegt der Badeort Tarrafal mit einer der schönsten Buchten des Landes.
Kulturell gilt Santiago als das afrikanischste der Inseln. Batuku und Funaná stammen von hier, beide rhythmischer und erdiger als die melancholische Morna des Nordens.
Passt zu: Kulturreisenden, Geschichtsinteressierten und allen, die ein Land kennenlernen statt in einer Anlage wohnen wollen.
Maio: die Oase der Gelassenheit
Maio liegt nur 40 Kilometer von Praia entfernt und wirkt trotzdem wie eine andere Welt. Flach, still, mit langen leeren Sandstränden und einem der wenigen Waldgebiete der Kapverden, einem Akazienhain im Inselinneren.
Auch hier wurde Salz gewonnen, die historischen Salinen zeugen davon. Höchste Erhebung ist der Monte Penoso mit 431 Metern.
Erwarten Sie keine Hotelanlagen und kein Abendprogramm. Maio ist für Menschen, die genau das nicht suchen.
Passt zu: Individualreisenden, Strandspaziergängern und allen, denen Einsamkeit lieber ist als Auswahl.
Fogo: der Vulkan, auf dem Menschen leben
Keine Insel der Kapverden ist so eindrucksvoll wie Fogo. Der gesamte Inselkörper ist ein einziger Vulkan, der Pico do Fogo, mit 2.829 Metern der höchste Punkt des Landes.
Der Vulkan ist aktiv. Zuletzt brach er 2014 aus und begrub Teile der Ortschaft Chã das Caldeiras unter Lava. Die Menschen sind zurückgekehrt und haben wieder aufgebaut, im Krater selbst.
Dort wächst auf Vulkanasche der Wein der Kapverden, dazu Kaffee von bemerkenswerter Qualität. Der Aufstieg auf den Gipfel dauert mit Führer etwa drei bis vier Stunden und zählt zu den großen Wanderungen Westafrikas.
Die Hauptstadt São Filipe besticht durch koloniale Herrenhäuser, die sobrados, mit Blick über schwarze Strände.
Passt zu: Bergsteigern, Weinliebhabern und Reisenden, die eine Geschichte mit nach Hause nehmen wollen.
Brava: die Blumeninsel
Brava ist die kleinste bewohnte Insel und die am schwersten erreichbare. Der Flughafen ist wegen der Windverhältnisse nicht in Betrieb, es bleibt die Fähre von Fogo.
Wer die Überfahrt auf sich nimmt, findet eine überraschend grüne Insel. Nebel aus dem Atlantik versorgt die Hänge mit Feuchtigkeit, Blumen wachsen hier üppiger als irgendwo sonst auf den Kapverden. Daher der Beiname Blumeninsel.
Der Hauptort Nova Sintra liegt auf einem Hochplateau und wurde von Heimkehrern benannt, die das portugiesische Sintra im Kopf hatten. Ein Panoramaweg führt hinunter nach Fajã de Água, einem Fischerdorf in einer Bucht unter steilen Klippen.
Brava hat eine besonders große Diaspora in Neuengland. Von hier aus stachen im 19. Jahrhundert viele Männer auf amerikanischen Walfängern in See.
Passt zu: Wanderern mit Zeit, Romantikern und Reisenden, die den letzten Winkel eines Landes sehen wollen.
Flach oder bergig? Die eine Frage, die alles entscheidet
Wenn Sie sich nur eine Sache merken, dann diese: Die Kapverden zerfallen in zwei Typen von Inseln, und die Wahl zwischen ihnen entscheidet über Ihren Urlaub.
Die flachen Wüsteninseln sind Sal, Boa Vista und Maio. Sie sind jung, trocken und sandig. Hier finden Sie die großen Strände, die Resorts und den Wassersport. Wer Erholung, Sonne und Meer sucht, ist hier richtig.
Die Gebirgsinseln sind Santo Antão, São Nicolau, Santiago, Fogo und Brava. Sie sind älter, stärker erodiert und deutlich grüner. Hier gibt es Wanderwege, Täler, Dörfer und Landwirtschaft, dafür kaum Badestrände.
São Vicente steht dazwischen: karg wie die Wüsteninseln, aber mit der lebendigsten Stadt des Landes.
Inselhopping: wie Sie kombinieren
Genau deshalb lohnt sich die Kombination. Zwei Wochen Kapverden lassen sich hervorragend aufteilen, eine Woche Strand und eine Woche Berge.
Zwischen den Inseln verkehren Inlandsflüge, die je nach Strecke 20 bis 60 Minuten dauern. Dazu kommen Fähren, die günstiger sind und mehr Zeit brauchen, dafür aber Strecken bedienen, die kein Flugzeug abdeckt.
Die bewährtesten Kombinationen sind diese: Sal oder Boa Vista mit São Vicente und Santo Antão, wenn Sie Strand und Wandern verbinden wollen. Oder Santiago mit Fogo, wenn Geschichte und Vulkan im Vordergrund stehen.
Ein Rat zum Schluss: Planen Sie zwischen dem letzten Inselwechsel und Ihrem Rückflug nach Europa immer einen Puffertag ein. Flüge und Fähren fallen auf den Kapverden gelegentlich aus, und der Passat fragt nicht nach Ihrem Ticket.
Zehn Inseln, zehn Charaktere. Wer beim ersten Besuch nur eine davon sieht, hat die Kapverden noch nicht gesehen.
