Mietwagen Kapverden: Anbieter, Regeln und Tipps
Das Wichtigste auf einen Blick
Verkehr: Rechtsverkehr, wie in Deutschland.
Führerschein: Der deutsche EU-Kartenführerschein wird akzeptiert. Ein internationaler Führerschein ist empfehlenswert, aber meist nicht zwingend.
Mindestalter: in der Regel 21 Jahre, dazu eine Kreditkarte für die Kaution.
Preise: etwa 40 bis 60 Euro am Tag für einen normalen Wagen, 70 bis 100 Euro für einen Geländewagen.
Wichtigster Punkt: Die Versicherung greift fast nie abseits befestigter Straßen.

Wo sich ein eigenes Auto lohnt, wann Sie einen Geländewagen brauchen und welche Papiere ins Handschuhfach gehören.
Praia (Santiago) – Ein Mietwagen auf den Kapverden ist kein Muss. Auf manchen Inseln ist er die beste Idee überhaupt, auf anderen die schlechteste. Der Unterschied liegt nicht am Preis, sondern an der Topografie.
Auf Sal und Boa Vista öffnen vier Räder Strände, die sonst unerreichbar bleiben. Auf Santo Antão dagegen sollten Sie besser hinten sitzen und die Aussicht genießen, während jemand fährt, der die Serpentinen kennt.
Lohnt sich überhaupt ein Mietwagen?
Die ehrliche Antwort hängt von der Insel ab und davon, wie Sie reisen.
Dafür spricht die Unabhängigkeit. Sie fahren, wann Sie wollen, bleiben so lange, wie es Ihnen gefällt, und erreichen Orte, an denen keine Tour hält. Bei Gruppen ab drei Personen wird das Auto außerdem günstiger als mehrere Ausflugstickets.
Dagegen spricht die Verantwortung. Sie navigieren ohne Schilder, tragen das Risiko für Schäden und verpassen das, was ein guter lokaler Guide erzählt.
Die Alternativen sind gut: Taxis fahren zu festen Preisen, die Aluguer-Sammelbusse kosten fast nichts, und geführte Touren erledigen Navigation und Timing für Sie.
Wo sich ein Auto lohnt
Empfehlenswert ist ein Mietwagen auf Santiago, Sal, Boa Vista, São Vicente und Fogo. Diese Inseln haben brauchbare Hauptstraßen und Ziele, die verstreut genug liegen, um eigene Mobilität zu belohnen.
Eingeschränkt sinnvoll ist er auf den steilen Berginseln, allen voran Santo Antão. Die Straßen sind schmal, kurvig und teils aus Kopfsteinpflaster, mit Abgründen ohne Leitplanke. Hier sind lokale Fahrer und Taxis die bessere und oft auch die schnellere Wahl. Wer wandert, braucht ohnehin einen Transfer zum Startpunkt und eine Abholung am Ziel.
Welche Papiere Sie brauchen
Führerschein. Ein gültiger nationaler Führerschein genügt in der Regel, sofern er in lateinischer Schrift ausgestellt ist. Der deutsche EU-Kartenführerschein erfüllt das. Ein internationaler Führerschein wird empfohlen und kostet bei der Führerscheinstelle wenig. Er beschleunigt Polizeikontrollen und beugt Diskussionen vor.
Ausweis. Führen Sie Ihren Reisepass oder eine beglaubigte Kopie mit. Das Original im Hotelsafe und eine Kopie im Auto ist der übliche Kompromiss.
Fahrzeugpapiere. Fahrzeugschein und Versicherungsnachweis müssen im Auto liegen. Prüfen Sie bei der Übernahme, dass beides tatsächlich im Handschuhfach ist. Das wird gelegentlich vergessen.
Mindestalter und Kaution. Die meisten Anbieter verlangen ein Mindestalter von 21 Jahren. Die Kaution wird auf einer Kreditkarte geblockt, oft mehrere hundert Euro. Eine Debitkarte reicht häufig nicht aus, klären Sie das vor der Buchung.
Normaler Wagen oder Geländewagen?
Diese Entscheidung ist die wichtigste des ganzen Mietvorgangs, und sie wird oft falsch getroffen.
Wie die Straßen aussehen
Das Straßennetz der Kapverden hat drei Zustände.
Asphalt gibt es rund um die Städte und auf den Hauptverbindungen, etwa zwischen Praia und Tarrafal auf Santiago oder zwischen Santa Maria und Espargos auf Sal. Diese Strecken sind in der Regel gut befahrbar.
Kopfsteinpflaster, auf Portugiesisch Paralelepípedos, prägt viele ältere Strecken und Ortsdurchfahrten. Es ist stabil, aber langsam und laut. Rechnen Sie auf solchen Abschnitten mit deutlich längeren Fahrzeiten als die Kilometerzahl vermuten lässt.
Sand- und Schotterpisten führen zu fast allem, was interessant ist: zu abgelegenen Stränden, in die Wüste, an die zerklüfteten Küsten. Sie sind unmarkiert und wechseln ihren Zustand mit jedem Sturm.
Die Empfehlung
Ein normaler PKW reicht für Asphalt und Stadtverkehr. Auf Sal kommen Sie damit von Santa Maria nach Espargos und Palmeira, auf Santiago von Praia nach Tarrafal.
Ein Geländewagen ist Pflicht, sobald Sie die Straße verlassen. Auf Sal gilt das für Buracona, Shark Bay und Terra Boa, auf Boa Vista für Santa Mónica, Viana und die entlegenen Strände.
Und hier kommt der Punkt, den Vermieter ungern betonen: Die Versicherung schließt Schäden abseits befestigter Straßen praktisch immer aus. Wenn Sie mit einem normalen Wagen im Sand stecken bleiben oder sich am Basalt einen Reifen aufschlitzen, zahlen Sie Abschleppdienst und Reparatur selbst. Lesen Sie den Mietvertrag an dieser Stelle genau.

Anbieter auf den Inseln
Der Markt ist gemischt. Internationale Ketten wie Hertz sind vertreten, daneben arbeiten zahlreiche etablierte lokale Anbieter, darunter Mendes & Mendes, Alucar und Cape Drive.
Die lokalen Firmen sind oft günstiger und flexibler. Dafür sollten Sie genauer hinsehen: Fahrzeugzustand prüfen, Versicherungsumfang klären, Übergabeprotokoll verlangen.
Santiago: die größte Auswahl, am Nelson Mandela International Airport in Praia und in der Innenstadt.
Sal und Boa Vista: direkt an den Flughäfen Amílcar Cabral und Rabil, dazu in den Urlaubsorten Santa Maria und Sal Rei.
São Vicente, Fogo, São Nicolau, Maio und Santo Antão: lokale Anbieter vor Ort, meist kleiner und mit begrenzter Flotte. Hier lohnt sich die Vorabbuchung besonders, weil spontan oft nichts verfügbar ist.
Verkehrsregeln und Sicherheit
Rechtsverkehr gilt wie in Deutschland, das Umdenken entfällt.
Anschnallpflicht besteht für Fahrer und Mitfahrer.
Pflichtausstattung: Warndreieck und Feuerlöscher müssen an Bord sein. Kontrollieren Sie das bei der Übernahme, denn im Zweifel haften Sie.
Tankstellen gibt es in den Städten und entlang der Hauptstraßen ausreichend. Vor Fahrten in abgelegene Regionen sollten Sie trotzdem volltanken. Auf Sal oder Boa Vista finden Sie im Inselinneren keine Zapfsäule.
Polizeikontrollen sind normal und harmlos. Die Verkehrspolizei trägt blau-weiße Uniformen. Reichen Sie Ihre Papiere freundlich und geduldig heraus, dann ist die Sache in zwei Minuten erledigt.
Worauf Sie zusätzlich achten sollten
Tiere auf der Straße. In Ortsnähe laufen Esel, Ziegen und Hunde frei herum. Sie tauchen unvermittelt auf, besonders hinter Kuppen.
Fußgänger. Gehwege fehlen vielerorts, Menschen gehen am Fahrbahnrand.
Nachtfahrten. Vermeiden Sie sie, wenn es geht. Viele Strecken sind unbeleuchtet, manche Fahrzeuge fahren ohne Licht, und bei Saharastaub sinkt die Sicht zusätzlich.
Abruptes Halten. Taxis und Aluguer-Busse stoppen überall, sobald jemand winkt. Halten Sie Abstand.
Geschwindigkeit. Fahren Sie langsamer, als Sie es zu Hause tun würden. Schlaglöcher, Tiere und unübersichtliche Kurven verzeihen wenig.
Alternativen zum Mietwagen
Roller, Quads und Buggys sind beliebte Tagesalternativen, besonders auf Sal und Boa Vista. Die Preise liegen bei etwa 60 bis 90 Euro am Tag. Quads und Buggys sind für Sandpisten gebaut, Roller ausdrücklich nicht. Helme sind für Fahrer und Mitfahrer gesetzlich vorgeschrieben und werden vom Verleiher gestellt.
Fahrräder und E-Bikes eignen sich für kurze Strecken und entspannte Erkundungen, etwa rund um Santa Maria oder Sal Rei. Denken Sie an den Wind: Die Rückfahrt gegen den Passat ist deutlich anstrengender als der Hinweg.
Aluguer und Taxi bleiben die einfachste Lösung, wenn Sie nur gelegentlich weiter wollen. Ein Platz im Sammelbus kostet gut einen Euro, ein Taxi innerhalb des Ortes drei bis fünf Euro.

Checkliste für Selbstfahrer
Vor der Buchung: Versicherungsumfang klären, besonders die Regelung für Fahrten abseits befestigter Straßen. Kreditkarte für die Kaution bereithalten. Bei kleinen Inseln früh reservieren.
Bei der Übernahme: Fahrzeug rundum fotografieren, inklusive Reifen, Unterboden und vorhandener Schäden. Prüfen, ob Ersatzrad, Wagenheber, Warndreieck und Feuerlöscher an Bord sind. Fahrzeugschein und Versicherungsnachweis im Handschuhfach kontrollieren. Tankstand notieren.
Unterwegs: Offline-Karten vorab herunterladen, Schilder gibt es kaum. Genug Wasser mitnehmen, das Inselinnere ist unbewohnt. Powerbank einpacken. Rechtzeitig tanken. Vor Dunkelheit zurück sein.
Bei einer Kontrolle: Papiere bereithalten, freundlich bleiben, Geduld mitbringen.
Bei der Rückgabe: Fahrzeug noch einmal fotografieren und die Freigabe schriftlich bestätigen lassen, bevor Sie zum Flughafen fahren.
Häufige Fragen
Brauche ich einen internationalen Führerschein?
Zwingend meist nicht, empfehlenswert schon. Der deutsche EU-Führerschein wird in der Regel akzeptiert. Der internationale Führerschein kostet wenig und erspart Ihnen bei einer Kontrolle Erklärungen.
Ist Autofahren auf den Kapverden gefährlich?
Nein, wenn Sie vorausschauend fahren. Die größten Risiken sind freilaufende Tiere, fehlende Beleuchtung bei Nacht und unbefestigte Pisten. Der Verkehr selbst ist überschaubar und weniger hektisch als in vielen europäischen Ländern.
Kann ich mit dem Mietwagen auf die Sandpisten?
Technisch ja, vertraglich meistens nein. Die Versicherung schließt Schäden abseits der Straße üblicherweise aus. Wenn Sie in die Wüste wollen, mieten Sie einen Geländewagen und klären vorher schriftlich, was abgedeckt ist.
Lohnt sich ein Mietwagen auf Sal?
Für ein bis zwei Tage ja, wenn Sie die Insel eigenständig erkunden möchten. Für die klassische Inselrundfahrt ist die geführte Tour mit 20 bis 30 Euro pro Person allerdings günstiger und risikofreier, weil alle Hauptziele über Sandpisten erreicht werden.
Kann ich den Mietwagen auf eine andere Insel mitnehmen?
Theoretisch über die Autofähren, praktisch selten sinnvoll. Die meisten Verträge verbieten es ohnehin. Mieten Sie besser auf jeder Insel neu.
Ein Auto auf den Kapverden schenkt Ihnen Freiheit, aber nur dort, wo Asphalt liegt. Alles dahinter ist eine Frage des richtigen Fahrzeugs und des richtigen Vertrags.
