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Die Meeresströmungen der Kapverden erklärt 

Meeresströmungen rund um die Kapverden: Wie der Ozean die Inseln steuert


Warum das Meer hier nie zu heiß wird, wo der Fisch herkommt und was ein Wirbel im Atlantik damit zu tun hat. Einfach erklärt.

Praia (Santiago) – Das Meer sieht überall gleich aus. Das täuscht. Unter der Oberfläche bewegt sich Wasser in gewaltigen Kreisläufen um den ganzen Ozean, und einer dieser Kreisläufe streift die Kapverden.

Er ist der Grund, warum das Wasser hier angenehm warm bleibt statt tropisch heiß zu werden. Er bringt die Nährstoffe, von denen die Fische leben. Und er bestimmt mit, wann Wale und Schildkröten vorbeikommen.

Das Wichtigste auf einen Blick

Die Strömung: der Kanarenstrom, der kühleres Wasser von Norden nach Süden führt.

Was er bewirkt: stabile Wassertemperaturen, nährstoffreiches Meer, trockenes Klima.

Das große Ganze: Der Kanarenstrom ist Teil des Nordatlantischen Wirbels, eines riesigen Kreislaufs im Ozean.


Erst einmal: Was ist eine Meeresströmung?

Stellen Sie sich eine Badewanne vor, in der Sie mit der Hand kreisen. Das Wasser folgt Ihrer Bewegung, und der Kreis bleibt eine Weile bestehen, auch wenn Sie die Hand herausnehmen.

Im Ozean übernimmt der Wind die Rolle Ihrer Hand. Er streicht über die Wasseroberfläche und zieht sie mit. Weil der Wind über große Flächen beständig in dieselbe Richtung weht, entstehen dauerhafte Strömungen.

Eine Meeresströmung ist also nichts anderes als Wasser, das sich verlässlich in eine bestimmte Richtung bewegt. Nur eben nicht in einer Wanne, sondern über tausende Kilometer.


Der große Wirbel im Atlantik

Meeresströmungen - Weltkarte mit markierten Ozeanregionen: North Pacific, North Atlantic, South Pacific, South Atlantic, Indian und Cabo Verde.
Meeresströmungen

Diese Strömungen laufen nicht kreuz und quer. Sie ordnen sich zu riesigen Kreisen, die Fachleute Wirbel nennen, auf Englisch Gyre.

Warum das Wasser im Kreis läuft

Zwei Kräfte sorgen dafür.

Die erste ist der Wind. In den Tropen wehen die Passatwinde beständig nach Westen, weiter nördlich wehen die Westwinde zurück nach Osten. Zusammen schieben sie das Wasser auf einer großen Bahn.

Die zweite ist die Erddrehung. Weil sich die Erde unter der Bewegung hinwegdreht, werden Wind und Wasser abgelenkt, auf der Nordhalbkugel nach rechts. Fachleute nennen das den Coriolis-Effekt.

Ein Bild hilft: Stellen Sie sich ein Karussell vor. Sie stehen in der Mitte und rollen einen Ball nach außen. Für Sie sieht es so aus, als beschreibe der Ball eine Kurve, obwohl er geradeaus rollt. Nur der Untergrund hat sich weitergedreht. Genau das passiert mit Wind und Wasser auf der rotierenden Erde.

Das Ergebnis im Nordatlantik: ein gewaltiger Kreislauf im Uhrzeigersinn, der Nordatlantische Wirbel. Weltweit gibt es fünf solcher großen Wirbel, je zwei im Atlantik und im Pazifik und einen im Indischen Ozean.

Wozu das Ganze gut ist

Diese Wirbel sind so etwas wie das Umwälzsystem der Erde.

Sie transportieren Wärme. Warmes Wasser aus Äquatornähe wandert Richtung Norden, kühlt dort ab und fließt zurück. Ohne diesen Kreislauf wäre Europa deutlich kälter und die Tropen deutlich heißer.

Sie verteilen Nährstoffe über die Meere und bestimmen damit, wo Fische leben und wohin Meerestiere wandern.

Und sie haben eine unschöne Seite: Weil ihre Zentren wie Sammelbecken wirken, konzentriert sich dort auch Plastikmüll. Der bekannteste Fall ist der große Müllstrudel im Pazifik.


Der Kanarenstrom: die Strömung der Kapverden

Die Kapverden liegen an einer bestimmten Stelle dieses Kreislaufs: dort, wo das Wasser auf der Ostseite des Atlantiks nach Süden fließt. Dieser Abschnitt heißt Kanarenstrom.

Er verläuft von der Iberischen Halbinsel entlang der westafrikanischen Küste nach Süden bis vor Senegal und streift dabei die Kapverden. Das Wasser, das er mitbringt, stammt aus kühleren Breiten und bewegt sich vergleichsweise langsam.

Für die Inseln hat das vier Folgen.

1. Das Meer bleibt angenehm, statt heiß zu werden

Die Kapverden liegen in den Tropen. Eigentlich müsste das Wasser hier deutlich wärmer sein.

Der Kanarenstrom verhindert das. Er wirkt wie ein Thermostat, der die Temperatur nach oben begrenzt. Deshalb liegt die Wassertemperatur ganzjährig in einer bemerkenswert engen Spanne zwischen etwa 22 und 27 Grad.

Für Urlauber ist das ideal. Das Meer ist immer badewarm, aber nie unangenehm.

2. Das Meer ist voller Leben

Hier kommt der spannendste Teil. Entlang der westafrikanischen Küste kommt es zu einem Phänomen, das Auftrieb heißt, auf Englisch Upwelling.

Vereinfacht gesagt: Der Wind schiebt das warme Oberflächenwasser von der Küste weg. Der entstehende Platz wird von unten aufgefüllt, mit kälterem Wasser aus der Tiefe.

Dieses Tiefenwasser ist voller Nährstoffe, weil dort seit Jahren abgesunkene organische Reste lagern. An der Oberfläche treffen diese Nährstoffe auf Sonnenlicht. Plankton wächst, kleine Fische fressen das Plankton, größere fressen die kleinen.

So entsteht ein außergewöhnlich reiches Ökosystem. Das ist der Grund, warum die Kapverden vom Fischfang leben, warum Sie auf jeder Insel frischen Thunfisch bekommen und warum sich Tauchen hier lohnt.

3. Das Klima bleibt trocken

Strömung und Wind wirken zusammen. Der Nordost-Passat weht beständig über die Inseln, und das kühlere Oberflächenwasser sorgt dafür, dass sich über dem Meer wenig aufsteigende Feuchtigkeit bildet.

Das Ergebnis ist das halbtrockene Klima, für das die Kapverden bekannt sind: viel Sonne, wenig Regen, milde Temperaturen.

Wer sich fragt, warum ausgerechnet Inseln mitten im Atlantik so wüstenhaft aussehen, hat hier die Antwort.

4. Die Wanderrouten der Meerestiere

Strömungen sind für viele Meerestiere das, was Straßen für uns sind. Sie folgen ihnen, weil sie dort Nahrung finden und Energie sparen.

Deshalb ziehen an den Kapverden regelmäßig Tiere vorbei, die sonst weit verstreut leben: Buckelwale zwischen März und Mai, Meeresschildkröten über weite Teile des Jahres, dazu große Raubfische wie Thunfisch und Marlin.

Die Inseln liegen also nicht nur zufällig schön im Ozean. Sie liegen an einer viel befahrenen Route.


Was das für Ihren Urlaub bedeutet

Baden: ganzjährig möglich, weil das Wasser stabil zwischen 22 und 27 Grad bleibt.

Tauchen und Schnorcheln: lohnt sich wegen des Artenreichtums, den der Auftrieb hervorbringt. Die beste Sicht bietet die ruhigere Jahreszeit von Juni bis Dezember.

Tiere beobachten: Wale im Frühjahr, Schildkröten im Sommer und Herbst.

Essen: Der Fisch auf Ihrem Teller stammt fast immer aus genau diesem Nährstoffwasser, oft vom selben Morgen.

Und eine Warnung: Dieselben Strömungen, die das Leben bringen, können an ungeschützten Küsten gefährlich werden. Außerhalb geschützter Buchten herrschen teils kräftige Atlantikströmungen. Bleiben Sie beim Schwimmen in den Bereichen, die dafür vorgesehen sind, und achten Sie auf die Flaggen.


Ein System unter Druck

Meeresströmungen wirken unverrückbar, sind es aber nicht. Der Klimawandel verändert Wassertemperaturen und Windmuster, und damit die Kreisläufe selbst.

Was das für den Kanarenstrom und den Auftrieb vor Westafrika bedeutet, untersuchen Forscher bis heute. Klar ist nur: Wenn sich diese Strömung ändert, ändert sich für die Kapverden vieles auf einmal, von den Wassertemperaturen bis zu den Fischbeständen.

Ein kühler Strom aus dem Norden, ein Wind aus Nordost und eine Erde, die sich dreht: Aus diesen drei Zutaten entsteht alles, was die Kapverden ausmacht. Das trockene Klima, das warme Meer und der Fisch auf dem Teller.