Vulkane, Geologie und die höchsten Berge der Kapverden ...
Das Wichtigste auf einen Blick
Entstehung: Hotspot-Vulkanismus, also eine Magmafahne aus dem Erdinneren.
Alter: Sal und Boa Vista rund 26 Millionen Jahre, Fogo und Brava etwa 100.000 Jahre.
Höchster Punkt: Pico do Fogo mit 2.829 Metern, ein aktiver Schichtvulkan.
Letzter Ausbruch: 2014 auf Fogo, davor 1995.
Zweiter aktiver Vulkan: Brava, mit regelmäßiger seismischer Aktivität.


Santo Antao
Ein Archipel aus Feuer: wie die Inseln entstanden, warum Fogo noch raucht und welche Gipfel sich zu besteigen lohnen.
São Filipe (Fogo) – Im November 2014 floss Lava über die Felder von Chã das Caldeiras. Sie begrub Häuser, eine Schule und die Winzergenossenschaft unter sich. Die Bewohner kamen zurück und bauten daneben wieder auf.
Wer die Kapverden verstehen will, muss beim Vulkanismus anfangen. Ohne ihn gäbe es diese Inseln nicht. Er bestimmt, welche flach und trocken sind und welche zerklüftet und grün. Und auf Fogo ist er bis heute nicht zu Ende.
Wie die Kapverden entstanden
Die Inseln verdanken ihre Existenz einer sogenannten Hotspot-Zone. Tief im Erdmantel steigt heißes Material in einer Fahne nach oben. Wo es die Erdkruste erreicht, entsteht Vulkanismus.
Die Kapverden liegen dabei auf der Afrikanischen Platte, im zentralen Atlantik. Über Jahrmillionen wuchs hier Lavaschicht auf Lavaschicht, bis die Vulkane aus dem Meer ragten. Was wir heute Inseln nennen, sind die Spitzen gewaltiger Unterwasserberge.
Dieselbe Kraft formte auch die Nachbarschaft. Die Kapverden gehören zu Makaronesien, jener Inselwelt, zu der auch die Azoren, Madeira und die Kanaren zählen. Alle sind vulkanischen Ursprungs.
Warum die Inseln so verschieden aussehen
Der entscheidende Unterschied zwischen den Kapverden und vielen anderen Archipelen ist das Alter. Die Inseln sind nicht gleich alt, und zwar bei Weitem nicht.
Sal und Boa Vista entstanden im Miozän, vor etwa 26 Millionen Jahren. Sie sind die Großmütter des Archipels. Millionen Jahre Wind, Wellen und Regen haben ihre Vulkankegel abgetragen. Übrig blieben flache, sandige Inseln, deren höchste Erhebungen kaum 400 Meter erreichen.
Fogo und Brava dagegen sind geologische Säuglinge, etwa 100.000 Jahre alt. Ihre Formen sind noch unversehrt, die Hänge steil, die Kegel scharf.
Damit ist auch die wichtigste Urlaubsfrage der Kapverden beantwortet. Wer Strand sucht, fährt auf die alten, abgetragenen Inseln. Wer Berge sucht, auf die jungen.
Pico do Fogo: der Gipfel aus Feuer
Das Kronjuwel der kapverdischen Vulkanlandschaft ist unbestritten der Pico do Fogo. Mit 2.829 Metern ist er der höchste Punkt des Archipels und ein aktiver Schichtvulkan.
Der Name sagt alles: Fogo bedeutet auf Portugiesisch Feuer.
Die Insel besteht praktisch vollständig aus diesem einen Vulkan. Charakteristisch sind die steilen Hänge, die kegelförmige Gestalt und der Krater an der Spitze. Die Caldeira, der eingebrochene Kraterkessel, misst rund acht Kilometer im Durchmesser.
Eine lange Geschichte der Ausbrüche
Dokumentierte Eruptionen reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Die jüngsten bedeutenden Ausbrüche ereigneten sich 1995 und 2014.
Der Ausbruch von 2014 führte zur Evakuierung der umliegenden Dörfer. Häuser und Ackerland wurden zerstört, Teile von Chã das Caldeiras verschwanden unter der Lava.
Dass die Menschen zurückkehrten, hat einen Grund: den Boden. Vulkanasche ist außergewöhnlich fruchtbar.
Leben im Krater
In der Caldeira leben etwa tausend Menschen auf rund 1.700 Metern Höhe. Sie bauen Wein an, dazu Kaffee, Obst und Bohnen.
Der Wein von Fogo ist der bekannteste der Kapverden. Er wächst auf Asche, in Lavanischen gepflanzt, und schmeckt entsprechend mineralisch. Auch der Kaffee der Insel gilt als einer der besten Westafrikas.
Der Aufstieg
Für Wanderer ist der Pico do Fogo das große Ziel des Archipels. Die Tour beginnt in Chã das Caldeiras am Fuß des Kegels.
Geführte Touren sind dringend zu empfehlen. Die einheimischen Guides kennen das Gelände, die Wege und die Geschichte des Berges.
Unterwegs durchqueren Sie mehrere Landschaften: üppige Weingärten am Fuß, dann karge Lavafelder, schließlich steile Geröllhänge. Der Aufstieg dauert etwa drei bis vier Stunden, der Abstieg durch die lose Asche deutlich weniger.
Oben am Krater erwartet Sie erstarrte Lava in bizarren Formen. Und mit etwas Glück riechen Sie Schwefel, der aus den Fumarolen aufsteigt. Der Berg atmet noch.
Brava: der zweite aktive Vulkan
Westlich von Fogo liegt Brava, die kleinste bewohnte Insel. Auch sie beherbergt einen aktiven Schichtvulkan, etwa 900 Meter hoch.
Anders als Fogo ist Brava in historischer Zeit nicht ausgebrochen. Trotzdem gilt der Vulkan als geologisch aktiv, denn die Insel verzeichnet regelmäßige seismische Aktivität. Ausbrüche in der Zukunft sind nicht ausgeschlossen.
Landschaftlich zeigt sich das in 15 Kratern, die den Gipfelbereich durchziehen. Zusammen mit den steilen Klippen und der üppigen Vegetation ergibt das ein Gelände, das sich hervorragend erkunden lässt.
Den höchsten Punkt bildet der Monte Fontainhas mit 976 Metern.
Santo Antão: erloschen, aber spektakulär
Auf Santo Antão endete der Vulkanismus vor Millionen bis Zehntausenden von Jahren. Die Insel erzählt ihre feurige Herkunft trotzdem in jedem Tal.
Der höchste Gipfel, der Topo de Coroa, erreicht 1.979 Meter. Er gehört zu einer erloschenen Vulkankette im Zentrum der Insel.
Was die Vulkane hier hinterlassen haben, ist die dramatischste Landschaft der Kapverden: tiefe Schluchten, Terrassenfelder an steilen Hängen und Bergketten, die schroff ins Meer abfallen. Erosion hat aus erstarrtem Feuer über Jahrtausende ein Wanderparadies geformt.
São Vicente: alte Krater unter Wind
Der Vulkanismus auf São Vicente reicht ins Pleistozän zurück, also in einen Zeitraum von etwa 2,6 Millionen bis 11.700 Jahren vor heute.
Wind und Wetter haben die Landschaft seitdem stark abgetragen. Mehrere kleine Krater sind dennoch gut erkennbar, darunter Viana mit 163 Metern im Südosten der Insel.
Der höchste Punkt ist der Monte Verde mit 750 Metern, technisch gesehen ein erloschener Vulkan. Er ist ein beliebtes Wanderziel und bietet Panoramablicke über Mindelo und den Atlantik.
Die höchsten Berge der Kapverden
Berg Insel Höhe Pico do Fogo Fogo 2.829 m Topo de Coroa Santo Antão 1.979 m Pico da Cruz Santo Antão 1.585 m Pico d'Antónia Santiago 1.394 m Monte Gordo São Nicolau 1.312 m Serra Malagueta Santiago 1.064 m Monte Fontainhas Brava 976 m Monte Verde São Vicente 750 m Monte Penoso Maio 431 m Topona Santa Luzia 397 m Monte Estância Boa Vista 387 m Monte Grande Sal 252 m
An dieser Tabelle lässt sich die Geologie des Archipels ablesen. Oben stehen die jungen und die stark zerklüfteten Inseln, unten die alten, abgetragenen Wüsteninseln.
Die Gipfel im Einzelnen
Pico da Cruz auf Santo Antão, 1.585 Meter, ist ein beliebtes Ziel für Wanderer und Naturfreunde. Vom Gipfel öffnet sich der Blick über die Nachbartäler und die zerklüftete Küste.
Pico d'Antónia ist mit 1.394 Metern der höchste Punkt von Santiago. Er liegt im Zentrum der Insel, umgeben von Wäldern, Felsen und landwirtschaftlichen Terrassen.
Monte Gordo auf São Nicolau, 1.312 Meter, steht in einem geschützten Naturreservat mit einer bemerkenswerten Vielfalt einheimischer Pflanzen und Tiere. Am Weg liegen alte Pfade und Ruinen.
Serra Malagueta im Norden Santiagos erreicht 1.064 Meter und ist als Naturpark ausgewiesen, mit zahlreichen Wanderwegen und Aussichtspunkten.
Monte Penoso auf Maio, Topona auf dem unbewohnten Santa Luzia, Monte Estância auf Boa Vista und Monte Grande auf Sal sind die höchsten Punkte der flachen Inseln. Von keinem dieser Gipfel geht ein anspruchsvoller Aufstieg aus, die Aussicht über Dünen, Salinen und türkisfarbenes Wasser lohnt trotzdem.
Was der Vulkanismus sonst hinterlassen hat
Vulkanismus hat nicht nur die Formen geschaffen, sondern auch den Boden.
Fruchtbare Erde. Vulkanische Böden sind mineralreich. Das erklärt die Landwirtschaft auf Santo Antão, Santiago und Fogo, und im Besonderen den Wein aus der Caldeira.
Basaltische Lavafelder prägen weite Teile mehrerer Inseln. Sie sind scharfkantig und schwer begehbar, weshalb auf Sal bei Buracona und Shark Bay feste Schuhe Pflicht sind.
Sedimentgestein. Einige Inseln weisen bedeutende Kalkstein-Vorkommen auf. Das zeigt, wie vielfältig die Geologie durch die Abfolge von Vulkanismus und Erosion über Jahrmillionen geworden ist.
Salinen. Auch die Salzgewinnung in Pedra de Lume auf Sal ist ein vulkanisches Erbe. Der Krater eines erloschenen Vulkans liegt unter dem Meeresspiegel, Meerwasser sickert durch das Gestein und verdunstet.
Schutz und Beobachtung
Weil das Archipel vulkanisch aktiv bleibt, ist Überwachung wichtig. Organisationen beobachten die Aktivität, fördern nachhaltigen Tourismus und klären Einheimische wie Besucher über den Wert dieser Landschaften auf.
Für Reisende heißt das vor allem eines: Folgen Sie den örtlichen Vorgaben und den Hinweisen der Guides. Mit der richtigen Ausrüstung und angemessenem Respekt ist der Besuch sicher.
Häufige Fragen
Ist ein Urlaub auf Fogo gefährlich?
Nein, unter normalen Umständen nicht. Der Vulkan wird überwacht, und Ausbrüche kündigen sich in der Regel an. Der Ausbruch von 2014 verlief ohne Todesopfer, weil rechtzeitig evakuiert wurde. Für Besucher gilt: Touren nur mit Guide und lokale Hinweise beachten.
Wie anstrengend ist der Aufstieg auf den Pico do Fogo?
Anspruchsvoll, aber machbar für konditionsstarke Wanderer. Rechnen Sie mit drei bis vier Stunden Aufstieg über Geröll und Asche, bei praktisch keinem Schatten. Feste Schuhe, viel Wasser und ein früher Start sind Pflicht.
Welche Insel eignet sich am besten für Wanderer?
Santo Antão für die spektakulärsten Täler, Fogo für den Vulkan, São Nicolau für Einsamkeit und Santiago für die Kombination aus Bergen und Geschichte.
Warum sind Sal und Boa Vista so flach?
Weil sie alt sind. Mit rund 26 Millionen Jahren hatten Wind und Wasser Zeit, ihre Vulkanberge abzutragen. Übrig blieben flache Inseln mit Sand, Salz und Stränden.
Ein Hotspot im Erdmantel, 26 Millionen Jahre Zeit und ein Berg, der noch raucht: Die Kapverden sind kein Ort, an dem Landschaft einfach da ist. Sie ist entstanden, und auf Fogo entsteht sie weiter.

Sal
