de

.







 Die Städte der Kapverden: Praia, Mindelo und mehr 

Die Städte der Kapverden: Von der pulsierenden Hauptstadt Praia bis zur Kulturmetropole Mindelo


Kolonialgassen, Marktgeschrei, Livemusik am Hafen: Wo die Kapverden städtisch werden und welche Stadt zu welchem Reisenden passt.

Praia (Santiago) – Die Kapverden gelten als Strandziel. Dabei spielt sich ein guter Teil des Lebens in Städten ab, die kaum jemand auf dem Schirm hat. In Praia stapeln sich Kolonialbauten auf einem Felsplateau über dem Meer. In Mindelo singt abends jemand Morna in einer Bar ohne Bühne. Und in Cidade Velha steht die älteste Kolonialkirche der Welt.

Wer die Kapverden nur vom Hotelstrand kennt, kennt sie nicht.


Städte zwischen Kolonialzeit und Inselgefühl

Die Städte der Kapverden sind keine Metropolen. Die größte hat rund 160.000 Einwohner, die zweitgrößte knapp die Hälfte davon. Genau das macht sie angenehm: Sie bleiben überschaubar, zu Fuß erkundbar und frei vom Verkehrschaos anderer westafrikanischer Hauptstädte.

Was sie verbindet, ist die Mischung. Portugiesische Kolonialarchitektur trifft auf afrikanische Marktkultur. Dazu kommt die Morabeza, jene kapverdische Gastfreundschaft, die keine Floskel ist, sondern ein Umgangston.

Städte sind auf den Kapverden mehr als Wohnorte. Sie sind Häfen, Handelsplätze und kulturelle Zentren, und sie erzählen die Geschichte des Landes deutlicher als jede Landschaft.


Die großen Zentren


Praia auf Santiago: Hauptstadt mit Felsplateau

Praia ist die größte Stadt des Landes und wächst weiter. Rund 160.000 Menschen leben hier, Tendenz steigend, weil Santiago Zuzug von den kleineren Inseln bekommt.

Das historische Herz liegt auf einem Felsplateau über dem Meer und heißt schlicht Plateau. Bunte Kolonialbauten säumen die Straßen, dazwischen liegen der Präsidentenpalast, Kirchen und schattige Plätze. Unten, außerhalb des Plateaus, dehnt sich die moderne Stadt aus.

Das Gegenstück zum gesetzten Plateau ist der Mercado de Sucupira, der größte Markt der Kapverden. Hier wird alles gehandelt: Stoffe, Elektronik, Werkzeug, Obst, Gebrauchtes. Er ist laut, dicht und ungefiltert. Nehmen Sie keine Wertsachen mit und halten Sie Ihre Tasche vorn.

Zum Baden gibt es Stadtstrände: Prainha und Quebra Canela liegen wenige Minuten vom Zentrum entfernt und füllen sich am Wochenende mit Einheimischen.

Praia ist außerdem Sitz der Regierung, Standort des Nelson Mandela International Airport und mit dem Porto da Praia der größte Handelshafen des Landes.

Ein Hinweis zur Sicherheit: Praia verlangt mehr Aufmerksamkeit als die Urlaubsorte auf Sal. Gehen Sie nachts nicht zu Fuß zwischen den Stadtteilen, sondern nehmen Sie ein Taxi. Das gilt besonders für die Treppenwege, die das Plateau mit den unteren Vierteln verbinden.


Mindelo auf São Vicente: die Stadt, die singt

Wenn Praia der Kopf des Landes ist, ist Mindelo sein Herz. Rund 70.000 Menschen leben an der Bucht Porto Grande, einem der besten Naturhäfen Westafrikas.

Die Stadt verdankt ihren Aufstieg der Kohle. Im 19. Jahrhundert bunkerten hier britische Dampfschiffe auf dem Weg nach Südamerika. Mit ihnen kamen Geld, Fremde und Musik.

Das Ergebnis hören Sie noch heute. Mindelo ist die Wiege der Morna, jener melancholischen Balladen, die Cesária Évora weltberühmt machte. Die Sängerin stammte von hier, und in den Lokalen der Altstadt wird abends weiter gespielt, oft ohne Ankündigung und ohne Eintritt.

Architektonisch prägen pastellfarbene Kolonialbauten das Bild, dazu der Nachbau des Torre de Belém am Hafen, ein kleiner Gruß an Lissabon. Der Mercado Municipal ist ruhiger und bunter als Sucupira, mit Obst, Gemüse und Fisch.

Zwei Termine ziehen Besucher an: Der Karneval von Mindelo im Februar gilt als der größte des Landes und wird gern mit Brasilien verglichen. Und das Festival Baía das Gatas im August verwandelt eine Bucht außerhalb der Stadt in eine Open-Air-Bühne.

MIndelo - Sao Vicente -Cabo Verde- Blauer Hai-Deko im Hafenbecken vor bunten Bootshäusern, Segelboote und Küstengebäude im Hintergrund.
Mindelo - Sao Vicente

Die historischen Juwelen


Cidade Velha auf Santiago: wo alles begann

Cidade Velha, die "alte Stadt", hieß ursprünglich Ribeira Grande. Die Portugiesen gründeten sie 1462 und schufen damit die erste europäische Kolonialstadt in den Tropen.

Die Bedeutung des Ortes war enorm und seine Geschichte bitter. Ribeira Grande wurde zur zentralen Drehscheibe des atlantischen Sklavenhandels. Von hier aus wurden Menschen aus Westafrika nach Amerika verschifft. Gleichzeitig entstand in dieser Vermischung die kreolische Kultur, die die Kapverden bis heute prägt.

Seit 2009 steht der Ort auf der UNESCO-Welterbeliste. Zu sehen sind der Pelourinho, der Pranger von 1520 auf dem zentralen Platz, das Forte Real de São Filipe hoch über dem Tal, und die Kirche Nossa Senhora do Rosário, die als älteste Kolonialkirche der Welt gilt.

Dazu kommt die Rua Banana, die älteste von Portugiesen gebaute Straße südlich von Europa. Von Praia aus erreichen Sie Cidade Velha in etwa 30 Minuten.


Die Städte der Urlaubsinseln


Santa Maria und Espargos auf Sal

Santa Maria ist das touristische Zentrum der Kapverden. Rund 25.000 Menschen leben in dem Ort, der einst vom Salzhandel lebte und heute vom Strand.

Hier finden Sie die Resorts, die Restaurantmeile, das Nachtleben und den Pier, an dem mittags die Fischer ihren Fang anlanden. Wassersport ist allgegenwärtig, die berühmten Spots Kite Beach und Ponta Preta liegen in der Nähe.

Espargos liegt im Inselinneren, direkt am Flughafen Amílcar Cabral, und ist mit rund 17.000 Einwohnern die eigentliche Inselhauptstadt. Touristisch hat der Ort wenig zu bieten und gerade deshalb viel: Hier sehen Sie den kapverdischen Alltag, Märkte, Bäckereien zu normalen Preisen und ein paar bemerkenswerte Wandbilder.

Espargos  - sal -Straßenszene in einer Stadt mit bunten Gebäuden, Taxis, Autos und einem Fußgänger auf Kopfsteinpflaster.
Espargos - Sal

Sal Rei auf Boa Vista

Sal Rei ist die Hauptstadt von Boa Vista und deutlich ruhiger als Santa Maria. Ein überschaubarer Ort mit kleinen Läden, einem Platz, Restaurants und dem Charme des Unfertigen.

Gleich hinter der Stadt beginnen die weiten Sandflächen, für die Boa Vista bekannt ist. Wer Strand will, ohne von Hotelanlagen umgeben zu sein, ist hier besser aufgehoben.

Porto Novo auf Santo Antão

Porto Novo ist mit rund 9.200 Einwohnern vor allem eines: das Tor nach Santo Antão. Hier legt die Fähre aus Mindelo an, und hier beginnt praktisch jede Wanderreise auf der grünsten Insel des Landes.

Die Stadt selbst ist trocken und zweckmäßig. Die spektakuläre Seite von Santo Antão liegt hinter den Bergen, und genau dorthin fahren die Aluguer-Busse ab.

Porto Novo auf Santo Antão - Bucht mit Fischerbooten, Küstenstadt und hohen, trockenen Bergen unter klarem blauen Himmel.
Porto Novo auf Santo Antão

Markt- und Bergstädte im Landesinneren


Assomada auf Santiago

Assomada liegt im gebirgigen Inneren von Santiago, etwa auf halber Strecke zwischen Praia und Tarrafal. Rund 13.000 Menschen leben hier.

Der Ort ist berühmt für seinen Markt. Bauern aus den umliegenden Tälern bringen Obst, Gemüse und Vieh, Handwerker verkaufen Körbe und Töpferware. Wer erleben will, wie Handel auf den Kapverden traditionell funktioniert, ist hier richtig, nicht in Praia.

Ribeira Brava und Tarrafal auf São Nicolau

Ribeira Brava ist der historische Hauptort von São Nicolau und liegt geschützt in einem grünen Tal. Die Kolonialarchitektur, eine Kathedrale und das ehemalige Priesterseminar erinnern daran, dass der Ort einmal geistliches Zentrum der Kapverden war.

Tarrafal an der Westküste ist dagegen ein Fischerstädtchen, entspannt, einfach und bekannt für frischen Fisch. Verwechseln Sie es nicht mit dem gleichnamigen Ort auf Santiago, das ist ein anderer Tarrafal mit anderer Geschichte.

Pontas do Sol - Santo Antao -Straße mit Kopfsteinpflaster, bunten Häusern und Meerblick; Wandgemälde links, Pflanzen und Laternen im Vordergrund.
Ponta do Sol - Santo Antao

Fogo: drei Orte an einem Vulkan

Keine Insel verteilt ihre Orte so eigenwillig wie Fogo. Der gesamte Inselkörper ist ein Vulkan. Gewohnt wird dort, wo die Lava Platz gelassen hat.

São Filipe an der Westküste ist mit rund 8.000 Einwohnern der Hauptort und gilt als eine der schönsten Städte der Kapverden. Zweistöckige Kolonialhäuser, die Sobrados, säumen die Kopfsteinpflastergassen, unten liegt ein Strand aus schwarzem Lavasand. Hier kommen Sie an, und hier starten die Ausflüge in den Krater.

Chã das Caldeiras ist der bemerkenswerteste bewohnte Ort des Landes: eine Siedlung auf rund 1.700 Metern, mitten im Krater. Etwa tausend Menschen bauen hier auf Vulkanasche Wein und Kaffee an. Beim Ausbruch 2014 begrub die Lava große Teile des Dorfes. Die Bewohner kehrten zurück und bauten neben dem erstarrten Lavastrom wieder auf. Von hier startet der Aufstieg auf den Pico do Fogo, mit 2.829 Metern der höchste Punkt der Kapverden.

Mosteiros im Nordosten ist die grüne Seite der Insel. Der Passat bringt Feuchtigkeit an den Hang, entsprechend wachsen hier Kaffee, Bananen und Mangos. Touristisch kaum erschlossen, dafür führt die Fahrt dorthin über eine der schönsten Strecken der Kapverden.


Welche Stadt passt zu Ihnen?

Für Kultur, Livemusik und Nachtleben: Mindelo. Keine andere Stadt der Kapverden hat diese Dichte an Musik, Kunst und Hafenatmosphäre.

Für Geschichte und Weltkulturerbe: Cidade Velha und São Filipe. Die eine erzählt die Gründungsgeschichte des Landes, die andere zeigt die schönste Kolonialarchitektur.

Für Märkte und echtes Alltagsleben: Praia und Assomada. Sucupira ist das größte Markterlebnis des Landes, Assomada das ursprünglichste.

Für Strandurlaub und Wassersport: Santa Maria und Sal Rei. Santa Maria für Infrastruktur und Trubel, Sal Rei für Ruhe.

Für Wanderer als Ausgangspunkt: Porto Novo. Keine Stadt zum Bleiben, aber die Tür zu den schönsten Tälern der Kapverden.

Zehn Inseln, ein gutes Dutzend Städte, und in jeder klingt das Land ein bisschen anders. Wer nur am Strand bleibt, hört davon nichts.